Sylt hat ein Problem. Nein, nicht das bisschen Sand, das die Sturmfluten der herben Schönheit jeden Herbst rauben. Nicht die Wohnraum-Preise, die für ein reges Aufkommen an, wie die Insulaner sagen, zu ihrer Arbeitsstelle pendelnden Schienenschietern sorgen. Auch nicht die hohe Dichte an Snobs, die schon zum Frühstück Weinproben beim Fischimbiss Gosch veranstalten und dafür sorgen, dass die ordinären, aber ungemein leckeren Brathering-Brötchen im Regen verzehrt werden müssen.
Das Problem der Insel ist der Flughafen, der inzwischen auch von Maschinen angeflogen wird, die Windgott Aiolos nicht mit einem kleinen Husten von der Landebahn pusten kann. Zugegeben: Für einen Rheinländer ist das zunächst nicht ohne Reiz. Immerhin können Sie heute, wie der verhinderte Bundeskanzler Edmund Stoiber sagen würde, direkt am Kölner Hauptbahnhof in Ihren Nordsee-Urlaub einchecken und sparen gegenüber der Anreise mit Auto und Autozug gut sieben Stunden Stau-Stress.
Klar, wer seinen Rennboliden mal so richtig ausfahren oder zeigen will, der nimmt ihn noch immer mit auf die Insel. Von den vielen Touristen, die die nordfriesische Insel besuchen, scheinen einige aber mittlerweile das Flugzeug zu bevorzugen. An den zwei jeweils drei Meter langen Gepäckbändern kommt es jedenfalls zu kleinen Tumulten, wenn innerhalb einer Stunde vier Maschinen abgefertigt werden. Und vor der einzigen Toilette, die Männer und Frauen sich im Ankunftsbereich teilen, bildet sich eine lange Schlange, in der die Menschen selbst dann noch ohne Murren warten, als drei Babys sich zu einem Konzert entschließen.
Sind Sylt-Urlauber etwa schon vor ihren Ferien so entspannt, dass nichts sie mehr aus der Fassung bringen kann? Bestimmt nicht. Die meisten wissen bloß, dass die wirklichen Probleme mit dem Flughafen, an dem es natürlich keine Schließfächer und keinen Service gibt, erst bei der Abreise beginnen. Dann nämlich, wenn der Wohnungsschlüssel vorschriftsmäßig um 10 Uhr abgegeben ist und die eigentlich freundliche Vermieterin resolut versichert, dass man die Koffer bis zum Abflug um 18 Uhr bei ihr sicher nirgendwo unterstellen dürfe.
Haben Sie schon einmal versucht, einen Koffer, der die von der Airline vorgegebene Freigepäcksgrenze wie immer ausreizt, durch den herrlichen Sylter Sand zu ziehen? Bei Gegenwind? Und Regen? Sie ahnen es: Erholung kann schnell verfliegen. Gut, dass in solchen Situationen jeder einen klugen Tipp parat hat, von denen die meisten sich rasch als unsinnig abtun lassen. Der mit den paar Schließfächern am Bahnhof etwa, die von der Größe her zwar zumindest für Handtaschen ausreichen mögen, aber ohnehin permanent belegt sind.
Deshalb ein Anregung für alle Sylter, die, wenn es ums Geldverdienen geht, nie verlegen waren: Das Kombipaket „Schlafen und schließen“ könnte ein Renner werden!